Garnkonen neben einem Ordner mit Prüfberichten und Zertifikatsunterlagen auf einem Tisch

Produkt-, Prozess- und Systemzertifikate

Im Textilbereich gibt es zahlreiche Siegel. Für den Garneinkauf lassen sie sich in drei Gruppen ordnen:

  • Produktbezogene Schadstoffprüfung: Das Produkt wird auf Schadstoffe geprüft. Beispiel: OEKO⁠-⁠TEX STANDARD 100.
  • Rohstoff- und Lieferkettenstandards: Sie belegen die Herkunft oder Eigenschaft eines Rohstoffs, etwa biologischen Anbau oder Recyclinganteil, und verfolgen ihn durch die Verarbeitungsstufen. Beispiele: GOTS, OCS, GRS, RCS.
  • Managementsysteme: Sie bewerten die Organisation eines Unternehmens, nicht ein bestimmtes Produkt. Beispiele: ISO 9001, ISO 14001.

Wichtig ist, was ein Zertifikat nicht aussagt. Ein schadstoffgeprüftes Garn ist nicht automatisch bio. Ein Biostandard sagt nichts über Uster⁠-⁠Werte. Ein zertifiziertes Qualitätsmanagement garantiert keine bestimmte Garnfestigkeit. Technische Kennwerte beschreibt der Artikel Garnprüfung und Uster⁠-⁠Werte.

OEKO⁠-⁠TEX STANDARD 100

Der STANDARD 100 by OEKO⁠-⁠TEX ist ein Prüf- und Zertifizierungssystem für Textilien aller Verarbeitungsstufen, vom Garn bis zum Fertigprodukt. Geprüft wird auf gesetzlich geregelte und nicht geregelte Schadstoffe, etwa bestimmte Farbstoffe, Schwermetalle, Formaldehyd oder Pestizidrückstände.

Die Anforderungen richten sich nach der Produktklasse:

Produktklassen OEKO⁠-⁠TEX STANDARD 100
KlasseEinsatz
IArtikel für Babys und Kleinkinder bis 36 Monate, strengste Grenzwerte
IIArtikel mit großflächigem Hautkontakt, z. B. Unterwäsche, Hemden
IIIArtikel ohne oder mit wenig Hautkontakt, z. B. Jacken
IVAusstattungsmaterialien, z. B. Vorhänge, Polsterstoffe

Ein Garn, das für Klasse I zertifiziert ist, erfüllt auch die Anforderungen der übrigen Klassen. Zertifikate gelten jeweils ein Jahr und müssen dann verlängert werden. Der STANDARD 100 macht keine Aussage über biologischen Anbau oder Sozialstandards.

GOTS und OCS

GOTS

Der Global Organic Textile Standard verbindet den Nachweis biologisch erzeugter Naturfasern mit ökologischen und sozialen Anforderungen an die Verarbeitung. Er erfasst die Kette von der Faseraufbereitung über Spinnen, Weben oder Stricken, Veredlung und Konfektion bis zum Handel.

  • Kennzeichnung „organic“: mindestens 95 % zertifizierte Biofasern.
  • Kennzeichnung „made with X % organic“: mindestens 70 % zertifizierte Biofasern.
  • Vorgaben für Chemikalieneinsatz, Abwasser und soziale Mindestkriterien in den Betrieben.

Ein zertifizierter Betrieb erhält ein Scope Certificate (SC). Es nennt, welche Produkte und Prozesse der Betrieb unter GOTS anbieten darf. Für die einzelne Lieferung wird ein Transaktionszertifikat (TC) ausgestellt. Erst das TC belegt, dass genau diese Ware mit dieser Menge GOTS-konform ist.

OCS

Der Organic Content Standard von Textile Exchange belegt nur den Anteil biologisch erzeugten Rohstoffs und dessen Weg durch die Lieferkette. Umwelt- und Sozialkriterien der Verarbeitung gehören nicht dazu.

  • OCS 100: mindestens 95 % Bioanteil.
  • OCS blended: mindestens 5 % Bioanteil, der Rest kann konventionell oder anderer Herkunft sein.

Auch hier gibt es Scope- und Transaktionszertifikate.

GRS und RCS

Für recycelte Rohstoffe hat Textile Exchange zwei Standards:

  • Global Recycled Standard (GRS): belegt den Recyclinganteil und stellt zusätzlich soziale, ökologische und chemische Anforderungen an die Verarbeitung. Zertifizierbar sind Produkte ab 20 % Recyclinganteil. Für das GRS-Logo am Endprodukt sind mindestens 50 % nötig.
  • Recycled Claim Standard (RCS): belegt nur den Recyclinganteil ab 5 %, ohne weitere Verarbeitungskriterien.

Für Garne aus Regenerated oder Recycled Cotton sind das die üblichen Nachweise, wenn der Recyclinganteil ausgewiesen werden soll. Welche Faser dahintersteckt, beschreibt der Artikel Baumwollqualität.

Better Cotton und Cotton made in Africa

Better Cotton fördert verbesserte Anbaumethoden für konventionelle Baumwolle. Im Handel wird Better Cotton überwiegend nach dem Massenbilanzprinzip geführt: Die eingekaufte Menge wird gutgeschrieben, ohne dass die Faser im einzelnen Garn physisch Better Cotton sein muss. Eine physische Rückverfolgbarkeit ist damit nicht garantiert.

Cotton made in Africa ist eine Initiative für nachhaltigen Baumwollanbau durch Kleinbauern in afrikanischen Ländern. Auch hier gibt es unterschiedliche Modelle für die Rückverfolgung.

Beide Programme sind keine Biostandards. Wer Bio braucht, fragt nach GOTS oder OCS.

ISO 9001 und ISO 14001

ISO 9001 ist die internationale Norm für Qualitätsmanagementsysteme. Ein zertifiziertes Unternehmen hat seine Abläufe dokumentiert, steuert sie und verbessert sie nachweislich, geprüft durch externe Audits. Das ist ein Hinweis auf verlässliche Prozesse und nachvollziehbare Reklamationsbearbeitung. Es ist keine Produkteigenschaft.

ISO 14001 beschreibt Umweltmanagementsysteme nach demselben Prinzip.

Standards im Überblick
StandardGegenstandMindestanteilNachweis für die Lieferung
OEKO⁠-⁠TEX STANDARD 100Schadstoffprüfung des Produkts–Zertifikat mit Nummer und Produktklasse
GOTSBiofaser plus Umwelt- und Sozialkriterien der Verarbeitung70 % bzw. 95 %Scope Certificate und Transaktionszertifikat
OCSBioanteil und Lieferkette5 % (blended) bzw. 95 % (100)Scope Certificate und Transaktionszertifikat
GRSRecyclinganteil plus Verarbeitungskriterien20 % (Logo am Produkt: 50 %)Scope Certificate und Transaktionszertifikat
RCSRecyclinganteil und Lieferkette5 %Scope Certificate und Transaktionszertifikat
Better CottonAnbauprogramm, Massenbilanz–Angaben in der Lieferkette nach Programmregeln
ISO 9001 / 14001Managementsystem des Unternehmens–Zertifikat des Unternehmens

Nachweise entlang der Lieferkette

Bei den Lieferkettenstandards gilt: Die Kennzeichnung bleibt nur erhalten, wenn jede Stufe, die die Ware besitzt oder bearbeitet, die Regeln des Standards einhält. Je nach Standard müssen auch Händler selbst zertifiziert sein, damit sie Ware mit Label weitergeben dürfen. Welche Händler unter welche Pflicht fallen, regelt der jeweilige Standard im Detail. Für den Käufer heißt das: Das Zertifikat der Spinnerei allein reicht nicht immer aus. Entscheidend ist ein lückenloser Nachweis bis zur eigenen Lieferung.

Zertifikate prüfen

  1. Für die konkrete Partie anfragen. Ein allgemeines Firmenzertifikat belegt nicht, dass die gelieferte Ware zertifiziert ist. Bei GOTS, OCS, GRS und RCS das Transaktionszertifikat zur Lieferung anfordern.
  2. Gültigkeit prüfen. Ablaufdatum und Zertifikatsnummer kontrollieren.
  3. Scope prüfen. Das Zertifikat muss die Produktgruppe, zum Beispiel Garne, und den liefernden Betrieb abdecken.
  4. Online abgleichen. OEKO⁠-⁠TEX, GOTS und Textile Exchange betreiben Datenbanken, in denen gültige Zertifikate nachgeschlagen werden können.
  5. Produktklasse beachten. Bei OEKO⁠-⁠TEX muss die Klasse zum Endprodukt passen.

Diese Punkte lassen sich direkt in die Anfrage aufnehmen. Dann kann der Lieferant gleich sagen, welche Nachweise für eine Qualität verfügbar sind. Wie Garnqualitäten eindeutig spezifiziert werden, steht im Artikel Garnnummerierung.

Zertifizierungen bei Bergfeld

Bergfeld prüft die Zertifizierungen seiner Lieferanten und hinterfragt die tägliche Praxis. Viele Lieferanten verfügen über ein Qualitätsmanagementsystem nach DIN EN ISO 9001. Gütesiegel wie OEKO⁠-⁠TEX STANDARD 100 (Schadstoffprüfung) oder GOTS (Biofaser mit Umwelt- und Sozialkriterien) belegen schadstoffgeprüfte und sozialverträglich hergestellte Textilien. Durch Vor-Ort-Inspektionen in den Herstellungsländern verschafft sich Bergfeld ein eigenes Bild der Herstellungsprozesse. Organic-Cotton-Garne gehören zum Programm. Fragen Sie zu Ihrer Wunschqualität nach den verfügbaren Nachweisen.

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